VOM VERSCHWINDEN
VOM VERSCHWINDEN
Eine Installation von Eva Borner
Kuratorin: Marcia Martin
Eva Borner zeigt mit Vom Verschwinden eine ortsspezifische Installation für den Artspace Juraplatz in Biel.
Die Künstlerin hat zentrale Sätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, die weltweit zu den am häufigsten missachteten Grundrechten gehören, in Olivenölseifen aus Griechenland geprägt. «Recht auf Leben und Freiheit», «Asylrecht» oder «Gedankens-, Gewissens- und Religionsfreiheit» sind einige der Begriffe, die in dieser Arbeit sichtbar werden. Gemeinsam mit der Materialität der Seifen entsteht ein inhaltliches Spannungsfeld, das vielfältige Assoziationen hervorruft.
Einerseits entsteht das Bild, wie diese Grundsätze durch den Gebrauch der Seifen gleichsam «verwässert» werden und allmählich verschwinden. Andererseits ergeben sich Bezüge zu Redewendungen wie «seine Hände in Unschuld waschen», «jemanden einseifen» oder «eine Hand wäscht die andere». Die Präsentation der Seifen und ihre sinnliche Materialität regen zu weiterführenden Reflexionen über Verantwortung, Erinnerung und gesellschaftliche Werte an.
Für den Juraplatz in Biel wird die Installation neu inszeniert. Die Seifen sind in einer seriellen, geometrischen Ordnung angelegt, deren Wiederholung eine stille und zugleich prägnante Bildstruktur erzeugt. Eine gezielte Lichtführung lässt die Oberflächen insbesondere in den Abend- und Nachtstunden golden aufscheinen und verändert so ihre Wahrnehmung im Stadtraum.
Im angrenzenden Ausstellungsraum wird die Thematik in einer eigens entwickelten Installation weitergeführt und vertieft.
Zur Vernissage findet vor den Ausstellungsfenstern am Juraplatz eine Soundperformance statt. Markus Fischer (Kontrabass), René Reimann (Gitarre) und Hans Peter Gutjahr (Sounddesign) greifen die Fragilität und das allmähliche Verschwinden der in die Seifen geprägten Menschenrechtsartikel klanglich auf. Mit verdichteten, reibenden und sich wieder auflösenden Klangstrukturen entstehen flüchtige akustische Texturen, in denen die Fragilität der Thematik hörbar wird.
